Newsletter - Die Zweitkatze

 

Forscher meinen, dass Katzen keine Einzelgänger sind, wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen. Seit die Samtpfoten unser Leben teilen, so wurde festgestellt, bleiben sie ihr Leben lang Kinder und die haben nun einmal gern andere Kinder um sich. Besonders ein kleines Kätzchen langweilt sich schrecklich, wenn es oft allein gelassen wird, hierbei kann es ein erstaunliches „Zerstörungspotential“ entwickeln. Mit einem Artgenossen ist es nie allein, langweilt sich nicht und kann spielen, kuscheln und die Welt erobern.

Am besten ist es deshalb, wenn Sie von Anfang an Wurfgeschwister oder Kätzchen nehmen, die sich gut verstehen, Jungtiere gewöhnen sich leichter an gleichaltrige. Wenn man erst später, oder weil die andere Katze gestorben ist, eine Zweitkatze holt, sollte sie vor allen Dingen zur Erstkatze passen. Sie sollte einen ähnlichen Charakter haben, ungünstig wäre die Kombination einer schüchternen Katze mit einem rauflustigen Macho-Kater. Das Geschlecht spielt keine Rolle. Oft verstehen sich Paare gleichen Geschlechts besser als „gemischte“. Kater schätzen Kontaktspiele wie Raufen und Anspringen, während Kätzinnen Objektspiele mit Bällchen, Spielmäusen, Bändchen lieben. Für ein älteres Tier empfiehlt es sich, eine etwas jüngere, gut sozialisierte Katze zu nehmen. Keinesfalls sollte man zu einer alten Katze ein ganz junges Kätzchen gesellen, einen Welpenschutz gibt es bei Katzen nicht.

Liebe auf dem ersten Blick, ist auch bei unseren Samtpfoten nicht die Regel. Kleine Handgreiflichkeiten, Fauchen und Knurren sind normal und kein Anlaß zur Sorge. Ernste Kampfansagen (Gekreisch und steifbeiniges Herumstaken mit Haare sträuben) dürfen aber nicht ignoriert werden. Am besten trennt man die Streithähne kurzfristig. Grundsätzlich sollte man aber so wenig wie möglich eingreifen, denn wenn man sie nicht zusammen lässt, können sie auch nicht lernen miteinander auszukommen. Ihre Rangordnung müssen sie selbst aushandeln. Spielen Sie mit beiden, das lenkt ab und erleichtert die Eingewöhnung. Vernachlässigen Sie Ihre alte Katze nicht! Sie könnte aggressiv gegen den Neuankömmling werden. Erwarten Sie nicht, dass beide schon nach kurzer Zeit die dicksten Freunde sind. Manchmal dauert es Wochen, bis sie sich an ihr neues Zuhause und aneinander gewöhnt haben. Es genügt völlig, wenn die Katzen einander akzeptieren, wenn sie kämpfen und kein Blut fließt, wenn es kein wildes Gekreische gibt und das Kistchen benutzt wird, ist ihre Welt in Ordnung.

Haben Sie vor allen Dingen Geduld! Die Anfangsschwierigkeiten können recht lange dauern, oft Wochen. Bieten Sie der neuen Mieze Rückzugsmöglichkeiten an, reden Sie viel und leise mit ihr, damit sie sich an Ihre Stimme gewöhnt. Eine scheue Katze kann von einer zahmen und menschenbezogenen Samtpfote lernen, dass Zweibeiner nicht gefürchtet werden müssen und dass Streicheln ganz toll sein kann. Wenn die Eingewöhnung gelungen ist, können Sie sich am doppelten Katzenglück freuen.

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Helga Pinnau